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Welcome Hintergrundmusik

The Naughtiness of Time


Theatre Play in 3 Acts

Author: Bee Seavers

Hamburg 2007

© All rights reserved


A divine satire about the circle of to be or not to be. A rhetorical master piece between heaven, hell, space and time. A relentless unveiling about faith or knowledge. A festival about the past and the present. A literal psycho gram about causality of above or below or the opposite. About Nobel prize candidates, peppermint tea or blond telegrams. About the beginning or the end, everything or nothing, or maybe a little bit different?


Welcome

Die Unanständigkeit der Zeit


Eine göttliche Satire

THEATERSPIEL IN 3 AKTEN

Author: BEE SEAVERS

Hamburg 2006

© Alle Rechte vorbehalten


Die Unanständigkeit der Zeit

Akt 1
( Bühnenbild 1 )

Vorhang !

Sprecher: IN dem Kaminzimmer saß Gott in seinem Ohrensessel und studierte
im himmlischen Magazin die Stellenangebote irdischer Nobelpreis-
kandidaten.

Szene 1 Luzifer betritt das Zimmer

Gott: Zischt Luzifer an
>> Das ist doch immer der gleiche Mist. <<

Luzf: >> Wieso denn Mist ? Du bestehst doch sonst nicht darauf das ich vorher
Anklopfe. <<

Gott legt die Lektüre beiseite und schaut Luzf. An

Gott: ( Selbstgespräch ) >> Teuflisch! Er ist immer dann da wenn ich ihn brauche. <<

Gott: ( laut ) Gut das du gerade hier herum stehst. Kannst Du mir einen Gefallen tun
und Sarkasmus zu mir rufen? Ich habe einen besonderen Auftrag für ihn. <<

Aus Luzifers Mundwinkel entweicht ein verächtliches Pfeifen.

Luzf.: >> Ha. Das muss aber eine wichtige Aufgabe sein, wenn Du deinen Sekretär
Persönlich sehen willst. Was könnte der denn tun was ich nicht auch kann? <<

Gott blickt Luzifer nachdenklich an. Dabei verbrennt er sich die Finger, weil
sich seine Zeitung am Kaminfeuer entzündet hat.

Gott: >> Autsch! > Es folgt ein göttlicher Fluch

Luzf.: In der Hölle soll es viel heißer sein.
Er verlässt schnell das Zimmer weil Gott das Feuer mit Weihwasser löschen will

Szene 2 Sarkasmus betritt das Zimmer. An einer Leine folgt ihm sein Hund Ironie

Sarkasmus: ( ruft seinen Hund ) >> Komm Ironie, komm komm.
Er sieht den rußgeschwärzten Gottvater

Sarkasmus: ( kichert ) >> Ha ha ha. Oh la la

Gott: >> Verschone mich mit deinen Bemerkungen. Du sollst auch nicht immer
deine Ironie an der Leine ausführen. Hör zu. In einer dieser blöden
Bewerbungsanzeigen für besondere Preisträger behauptet ein Kandidat
die Unanständigkeit der Zeit gefunden zu haben. Diese Frechheit hat er
angeblich auf einer paradiesischen Insel entdeckt. In einer Pauschalabsteige
irgendwo unter Kokospalmen.<<

Sarkm.: >> Auf einer tropischen Insel ? <<

Gott: >> Ja, unter Päderasten die den Badestrand verunsichern usw. Das auch noch
ausgerechnet in diesem Jahrhundert, wo alles auf dem Planeten Erde so
anständig daneben ging. Ich weiß wirklich nicht, wie dieser Mensch trotz
aller Katastrophen seinen Sinn für das wesentliche behalten konnte.<<

Sarkm.: >> So, ach ja? Und was soll ich nun in dieser Angelegenheit tun? <<

Luzifer zeigt auf eine Juca Palme die in der Zimmerecke steht.
Luzf.: ( blödelnd ) >> Du sollst die Päderasten vom Strand auf die Palmen jagen. <<

Luzf.: Weist Du eigentlich das sich der Alte diesen Phallus einmal von Aphrodisiakum
schicken lassen hat, seinem irdischen Botaniker? Der versuchte seit dem 7 Tag
der Schöpfung den Erdbewohnern die Illusion zu vermitteln, dass sie die Potenz
aller Lebensformen sind. <<

Gott: Springt entrüstet aus seinem Sessel

Gott.: Also ! Ich muss doch sehr bitten. Du kannst dir deinen Zynismus wirklich
sparen. <<

Sarkm.: ( zu Luzifer ) >> Genau! Außerdem sind solche Bemerkungen meine An -
gelegenheit und noch nicht einmal der Teufel sollte mir dazwischen quatschen.<<

Es folgt eine allgemeine Schweigeminute. Jeder guckt in eine andere Richtung.

Sarkm.: ( flüsternd ) >> Also, kommen wir nun zur Sache oder was ? Ich finde es un –
anständig von euch mir meine Zeit zu stehlen wo jeder weiß, dass ich Tag
und Nacht am Schreibtisch sitze und ein Buch über euch schreibe. <<

Gott.: ( ruft ) Bravo! Du bringst die Sache auf den Punkt. Siehst du, nicht umsonst bist
Du meine erste Schreibkraft. <<

Luzf.: ( angewidert flüsternd ) >> Ekelhaft diese Schmeichelei vom Alten. Erste
Schreibkraft. Pah, ich bin immerhin seine rechte oder linke Hand.

Luzifer verlässt das Zimmer

Gott.: >> Mein lieber Sarkasmus. Du wirst mit dem nächsten Flieger auf diese
paradiesische Insel düsen und die Dinge der Zeit in Ordnung bringen.
Am besten legst du Dir ein Pseudonym zu. Warte mal ….. <<

Gott denkt nach.

Gott.: >> Äh, mh… Ja! Das ist gut. Du nennst dich Sergio. Das passt irgendwie
gut zu deinem Aussehen. Deinem Alter kommt es auch entgegen. <<

Sarkm.: >> Wie bitte? Was soll denn das bedeuten. Wieso sehe ich aus wie Sergio
und was hat das mit meinem Alter zu tun? <<

Gott. Grinst und hüstelt in seine Hand hinein

Gott.: >> Also Sarkasmus. Du weist doch das der Name Sergio über Jahrhunderte
hinweg für die Harmlosigkeit in der Geschichte der Menschen gedient hat.
Ja ja, zugegeben, manchmal trugen irgendwelche Despoten oder kirchliche
Würdenträger diesen Namen. Aber auch Idioten, Entdecker und Wohltäter
haben sich unter diesem Pseudonym Lorbeeren verdient. Das schönste aber ist
doch, das dieser Name durch seine Vielfalt so unauffällig ist. <<

Sarkm.: >> Wie? Was ? Wieso unauffällig ? <<

Gott.: >> Das weist du nicht ? Schließlich gibt es nach dem neusten Stand unserer
Namenskartei 127 Millionen Idioten auf dem Planeten Erde. Das ist doch die
perfekte Tarnung. <<

Sarkm. Schüttelt ungläubig den Kopf, während Luzifer an der Tür lauscht.

Sarkm.: >> Tarnung wofür ? <<

Luzifer fängt an zu lachen. In der linken Hand hält er eine Keksdose. Mit der
anderen hält er sich den Bauch vor lachen.

Luzf.: ( mit vollen Mund ) Mmh, ha, Du sollst dich als harmloser Idiot auf die Suche
nach diesem Nobelpreiskandidaten machen und herausfinden, ob er die
Unanständigkeit der Zeit gefunden hat. Hi hi, ha ha. Dann kommst du zurück
um unseren Vater zu beichten. Ha ha ha, hi hi hi. <<
( Mit dem Lachen fliegen Keksreste aus seinem Mund.)


Gott.: >> Luzifer! Du hast von meiner geliebten Kekssammlung genascht, ohne
mir etwas abzugeben. Das ist widerlich teuflisch und egoistisch. <<

Sarkasmus zeigt auf die Keksdose.
Sarkm.: >> Momentmal! Das ist doch mein Geschenk an einen römischen Kaiser.
Das habe ich dem während einer Audienz überreicht, sozusagen als symbolische
Geste. Das war vor ungefähr zweitausend Jahren. <<

Gott kratzt sich am Kopf.
Gott.: ( zweifelnd ) >> Ach ja, was soll denn das für eine symbolische Geste
gewesen sein ? <<

Sarkasmus stemmt die Hände in die Hüften
Sarkm.: >> Ich saß damals als Senator auf einer weißen Marmorbank. Die kühlten so
herrlich unsere Hintern, während wir hitzige Debatten im Plenarsaal führten. <<

Gott und Luzifer machen einen gelangweilten Eindruck.

Sarkm.: >> Eines Tages kam es zu einem heißen rhetorischen Meinungsaustausch mit
den Hinterbänklern von der gegenüberliegenden Seite. Die saßen auf schwarzem
Granit und behaupteten, weißer Marmor wäre für die Stabilität des Senats zu
zerbrechlich. <<

Sarkasmus macht eine typische Cäsar Geste

Sarkm.: >> Der oberste Julius witterte Verrat an dem Charakter seines Naturgesteins.
Er verlangte einen unmittelbaren Beweis für diese Behauptung. Es war gerade
Frühstückszeit. Die Senatoren befreiten ihre Brote aus den Landkarten des
Reiches, in denen sie eingewickelt waren.<<

Gott schüttelt mit dem Kopf. Er will etwas sagen, lässt es dann aber sein.

Sarkm.: >> Ich war der einzige der eine Dose mit Gebäck dabei hatte. Die Kekse
waren besonders groß geraten. Darum wollte ich sie in zwei mundgerechte
Hälften teilen. Das Zeugs war aber so trocken, dass es in tausend Teile zerbrach.
Dabei wurden die Senatoren vor mir völlig vollgekrümelt. <<

Gelangweilt nehmen sich Gott und Luzifer einen weiteren Keks aus der Dose.

Sarkm.: >> Äh, wo war ich stehen geblieben ? Äh ach ja, die Senatoren vor mir. Also die
vergaßen im selben Augenblick ihre diplomatische Immunität. Sie drehten sich
zu mir um und prusteten mir schimpfend beleidigende Essenreste an den Kopf,
weil sie ihre Münder zu weit aufgemacht hatten. <<

Gott und Luzifer genießen ihren Keks.

Sarkm.: ( wild gestikulierend ) >> Entsetzt über soviel Dekadenz römischer Eßgewohn-
heiten flüchtete ich mit meiner Keksdose ( zeigt mit dem Finger auf Luzifer )
aus dem Schlachtfeld rhetorischer Auseinandersetzungen. Ich hatte die Nase voll
von der Diplomatie und legte dem Senatspräsidenten mein Mandat vor die
Füße. <<

Luzf.: ( mit vollem Mund ) >> Und dann ? <<

Sarkm.: >> Und dann ? Ich öffnete mein Mandat, äh, ich meine die Keksdose und verglich
die guten Sitten und die Haltbarkeit seines Reiches mit der Zerbrechlichkeit eines
italienischen Butterkekses. <<

Gott nimmt sich noch einen Keks aus der Dose. Mit einer Hand schüttelt er sich
Krümel von seinem Bart. Dann nimmt er Luzifer die Dose aus der Hand.

Gott.: >> Nein nein mein lieber. Diese Schatulle ist das diplomatische Geschenk eines
antiken Lorbeerkranzträgers an die Inquisition unserer himmlischen Bäckerei.
Das war vor 2000 Jahren, wenn ich mich recht erinnere. Damals mussten die
Menschen auf der Erde kleine Brötchen backen um zu überleben. Wir wollten
Uns eigentlich aus diesem Zustand heraushalten. Na ja. Dann entstand die Idee
unserer Bäckereiinquisition, den Leuten mit kleinen Keksen das Leben
verlängern zu helfen. <<

Sarkm.: ( Ungeduldig ) >> Und dann ? <<

Gott.: Nun! Später wurde die Ware an irdische Idioten weitergegeben, damit die Kekse
unauffällig unters Volk gebracht werden konnten. Dabei hat dann irgendwie
auch mein Sohn Sergio das Gebäck in die Finger bekommen und unter die
Leute verteilt. Irgendwie hat ihnen dieses trockene Zeug aber nicht geschmeckt.
Die haben den damaligen Lorbeerkranzträger davon unterrichtet. Der hat dann
dafür gesorgt, das mein Sohn vorzeitig mit einem hölzernen Kreuz an unserer
Haustür klopfen musste. Viel früher als geplant. <<

Sarkm.: ( Überrascht ) >> Wie bitte? <<

Gott.: Na ja, ich finde Kinder sollten in einem bestimmten Alter das Elterhaus verlassen.
Was meinst du ? <<

Sarkasmus zuckt sprachlos mit den Schultern

Gott.: >> Also ! Später wurde die antike Schatulle als diplomatisches Geschenk beim
Erzengel Gabriel abgegeben. Sozusagen als Beruhigungsmittel für mich. Denn
Jeder weiß das ich keine Verwandtschaft um mich herum ertragen kann. <<

Sarkm.: >> Oh ! Ich wusste nicht dass …. <<

Gott.: >> Macht nichts. Weist du, es gibt hier oben schon genug Leute die behaupten,
irgendwie von mir abzustammen, um damit eine kostenlose Unterkunft zu
bekommen. Und dann auch noch ein eigener Sohn, der zu früh nach Hause will.

Ich habe ihn etwas später wieder auf die Erde geschickt. Aber dort wollte ihn
keiner mehr haben. Seitdem ist er wieder hier oben und belegt eines der teuersten
Hotelzimmer. Die Rechnungen zahl ich nun schon seit 2000 Jahren, ohne das ich
sie von der Steuer absetzen kann. <<

Sarkm.: ( erschreckt ) Wirklich ? Ich meine, lässt sich das nicht anders regeln ? <<

Gott.: >> Natürlich ! Was denkst du denn. Ich habe meine Vaterschaft einfach wieder –
rufen. Seitdem habe ich zwar keinen Sohn mehr, aber die Hotelrechnungen
werden trotzdem weiterhin von meinem Konto abgebucht. Unglaublich nicht
wahr ? <<

Sarkm.: ( Ungläubig ) >> Du hattest ein Konto das Sergio heißt ? <<

Gott.: >> Nein, nicht mein Konto, sondern mein Sohn hieß so. <<

Sarkm.: >> Ja, das war was ich meinte. Einen Sohn mit einer Keksdose ? <<

Gott.: >> Nein nein! Zuerst kam Sergio, dann die Keksdose. Aber was soll das alles ?
Die Schatulle war doch nur pure Diplomatie und der Name Sergio auch nur
ein Pseudonym. Sein richtiger Name war …. <<

Luzf.: ( zischend ) >> Jesus ! <<

Gott.: >> Ja danke. Genau ! Jesus hieß er. Und ich muss sagen es war ein Fehler dass
er seinen Namen mit der Keksmasche verbunden hat. Wäre er bei Sergio ge –
blieben, nie und nimmer wäre er hier frühzeitig heraufgekommen. Wie ich
schon erwähnte, gab es auch damals schon Millionen Idioten mit diesem
Namen ? <<

Gott macht eine kurze Denkpause.

Gott.: >> Aber Jesus ? Wer hieß schon Jesus in dieser Zeit. Sehr auffällig, sehr auffällig,
das muss ich zugeben. Aber seine Mutter wollte diesen Namen. <<

Sarkm.: ( gerührt ) >> Du meinst ich habe wirklich Ähnlichkeit mit deinem Sohn ? <<

Es klopft an der Tür.

Gott.: >> Herein ! <<

Ein Kardinal aus dem Mittelalter erscheint. Er steht auf wackligen Beinen. Er trägt
ein verstaubtes Mäntelchen. Er riecht streng. Aus einer Tasche ist ein Flaschenhals
zu sehen. Luzf. u. Sarkm. halten sich die Nase zu.

Sarkm.: > Oh man, der stinkt nach Käse und Wein. <<

Der Kardinal hält ein Papier in der Hand. Er hat die Stimme eines Betrunkenen.

Kardin.: >> Entschuldigung oh Herr, hick hick. Ich wollte hick nicht stören, aber es ist
Wichtig. ( Er hält das Papier hoch ) Hick ! Ein Telegramm ist vom Va……
Va….tikan geschickt worden. Ist wohl eine schlechte Nachricht hick oder? <<

Wieder halten sich Luzifer u. Sarkasmus die Nase zu

Luzf.: ( zu Sarkm. ) >> Oh man, der Typ muss Alkoholiker sein. Der stinkt nach Wein
und … <<

Sarkm.: >> und altem Käse . <<
Er zeigt auf den Mantel des Kardinals.
>> Siehst du. Da, beides steckt in seiner Manteltasche. <<

Gott.: ( verärgert ). >> Warum muss immer alles so schlecht stinken, was aus dem Vatikan
kommt ? Noch so ein kostspieliges Hotelunternehmen, dessen Rechnungen ich
seit Jahrhunderten begleichen muss. Und was bekomme ich dafür ? Und dann dieser
Direktor, der von mir eingestellt wurde. Wie heißt er gleich noch mal… ? <<

Luzf.: ( ruft ) >> Pontifex ! <<

Gott.: ( nickt zustimmend mit dem Kopf ) >> Ach ja, jetzt erinnere ich mich.<<

Gott setzt sich wieder in seinen Sessel und wirkt nachdenklich.

Der Kardinal hat einen Hustenanfall. Staub kommt auf.

Luzf.: ( klopft sich d. Staub aus seinem Anzug )
>> Ich verabscheue diese Grufties. In ihren staubigen Talaren tragen sie den
Bazillus des Opportunismus durch die Zeitgeschichte:<<

Sarkm.: >> Bist du dir sicher ? <<

Luzf.: >> Was für eine Frage. Natürlich bin ich mir sicher. Die bedanken sich
noch nach Jahrhunderten beim Alten, dass sie zu ihren irdischen Zeiten
umsonst beim Vatikan wohnen konnten. <<

Sarkm.: >> Also ich weiß nicht. Irgendwie klingt das so, als ob du neidisch auf dieses
Wohnerlebnis bist. <<

Luzf.: >> Neidisch ? Ich will Dir mal was erzählen. Während eines Urlaubs da unten
Habe ich versucht, umsonst in diesem Vatikanhotel zu wohnen. <<

Sarkm.: ( erstaunt ) >> Oh, wirklich ? <<

Luzf.: >> Ja, wirklich. Aber die waren angeblich ausgebucht. An der Bar und im Restaurant
Bedienten mich Kellner in purpurroten Gewänden. <<

Sarkm.: >> Oh wie schön. Das ist doch sehr geschmacksvoll. <<

Luzf.: >> Also, lässt du mich jetzt bitte mal ausreden. <<

Sarkasmus schweigt

Luzifer stellt sich vor dem Spiegel an der Wand.

Luzf.: >> Also diese Kellner in ihren Gewändern hatten große Ähnlichkeit mit meinem
eigenen Spiegelbild. Aber dann fand ich heraus, das es sich um die einheitliche
Berufskleidung der Bischöfe handelte. Die verdienten sich im Hotelbetrieb des
Vatikans ihr heiliges Trinkgeld. <<

Sarkm.: >> Oh ! Das finde ich aber toll, dass die etwas für ihren Glauben tun. Bestimmt
waren die bei der Bedienung sehr höflich zu dir. <<

Luzf.: >> Höflich ? Ne, nicht die Spur. Beim Service wurde ich ausgesprochen christlich
versorgt. Cocktails waren mit Weihwasser vermischt. Die Speisen lagen auf
hauchdünnen Oblaten. Auf den Servietten waren Nikoläuse gedruckt. Das nennst
du höflich ? <<

Sarkm.: >> Aber das war bestimmt eine feine Küche was ? <<

Luzf.: >> Fein ? Von wegen. Ich habe mich über soviel Nächstenliebe beschwert. <<

Sarkm.: >> Ja und dann? <<

Luzf.: >> Dann wurde ich des Hotels verwiesen mit der Bemerkung, ich möge mich
zum Teufel scheren. Spätestens da habe ich gemerkt, dass man mich in meiner
Persönlichkeit nicht erkannt hatte. Also … <<

Sarkm.: >> Also was ? Was hast du dann gemacht? <<

Luzf.: >> Ich habe ein paar satanische Verse vor mich hin gesprochen. Konnte ja nicht
ahnen, dass die in naher Zukunft einem indischen Schriftsteller fast das Leben
kosten sollten. <<

Kardinal: ( wedelt mit dem Papier in der Hand ) >> Herr, die Nachricht vom Vatikan. <<

Luzf. Versucht als erster das Papier zu erreichen. Er stolpert und fällt gegen den
Kardinal. Der zerbricht in tausend Stücke. Luzifer fällt auf ihn rauf.

Sarkm.: ( feixend ) >> Ist er tot ? Oh man, dass passt ja toll in ein Kapitel meines Buches.
Überschrift: Im Himmel vom Teufel erschlagen, <<

Gott erhebt sich aus seinem Sessel. Er stützt die Hände in die Hüfte und schaut
auf Luzifer. Der hat sich erhoben und mimt den Unschuldigen. Er haucht über
seine langen Fingernägel.

Gott.: >> Schau dir das an, was du wieder angestellt hast. Alles ist voller Staub und
antiker Scherben. Mein Zimmer ist doch kein Antiquitätenladen. Warum muss
der Vatikan auch immer diese alten sensiblen Männer als Telegrammboten
beschäftigen. <<
Er schüttelt mit dem Kopf. >> Du siehst ja, bei der geringsten Berührung mit dir
fallen sie vor Schreck zusammen. <<

Gott wendet sich zu Sarkasmus, der neben einem Faxgerät steht.

Gott.: >> Außerdem ist so ein Botenjob auch unmodern. Wir haben doch seit ein paar
Tagen dieses Faxgerät. << (er zeigt auf das Gerät ) >> Was ist damit ? Warum
schickt der Pontifex nicht damit seine schlechten Nachrichten? <<

Sprecher: >> Sarkasmus war gedanklich noch bei dem neuen Kapitel seines Buches. Tief
versunken versuchte er die Anzahl der Seiten zu schätzen, die dieses Manuskript
füllen sollten. Aber so sehr er sich auch anstrengte, er kam über eine halbe
Seite nicht hinaus. <<

Sarkm.: ( fluchend kratzt er sich am Kopf ) >> So ein Mist. <<

Gott.: >> Genau! Der Meinung bin ich auch. <<