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Welcome Hintergrundmusik

Drehbuchauszug aus dem Roman "Soul of Truth"

Beginn

AUFBLENDE

Schulhof



Der Schulhof ist voller Schüler, die gerade ihre letzten Abschlussprüfungen erfolgreich absolviert haben. Aus einer Gruppe von Schülern tritt Meena Kumar heraus. Sie ist extrem hübsch und wirkt selbstbewusst.
Sie verabredet sich mit einigen Freundinnen für ihren achtzehnten Geburtstag, den sie gemeinsam in zwei Tagen feiern wollen.

Meena: „ Also dann ! Wir sehen uns zu meinem Geburtstag in zwei
Tagen:“

Meena verabschiedet sich.
( winkt mit der Hand )
„ See you.“

Die Mädchen sind alle sehr traurig.
Einige haben Tränen in den Augen. Sie wissen, dass ihre Schulzeit nun vorüber ist und das sie bald für immer auseinandergehen werden. Meena geht zu einem Auto das vor der Schule wartet. ( Marke Ambassador ) mit Chauffeur. Er hält Meena die Tür auf und fährt los.
Die Fahrt geht durch belebte Straßen. Bettler, Eselkarren, Autos, Kühe
und zwei Elefanten werden Teil des Straßenverkehrs.



MEENA‘S ELTERNHAUS - TAG

(Stadtteil Bandra)

Der Wagen biegt in eine ruhige Seitenstraße ein und fährt durch ein großes eisernes Tor. Ein ungepflegter Garten mit üppiger Vegetation kommt Ins Blickfeld. Der Weg auf den der Wagen fährt, besteht aus weiß – grauen Kieselsteinen. Am Ende des Gartens wird ein altes zweistöckiges Haus mit viktorianischer Architektur sichtbar. Meena`s Wagen hält vor den Eingangsportal. Die Überdachung zum Eingang wird von zwei grünen Marmorsäulen getragen. Auch die Treppen bestehen aus weißem Marmor. Ein Diener mit einer verwaschenen
rotweißen Uniform schreitet die Stufen hinunter und öffnet für Meena
die Wagentür. Meena geht ins Haus. Die Kamera folgt ihr.

Das innere des Hauses ist geschmackvoll eingerichtet. Requisiten aus der indischen Mythologie beherrschen die große Empfangshalle. In der Mitte ist ein Bassin in Boden den
eingelassen. Das Bassin ist leer, auf dem Grund liegen vertrocknete Jasminblüten. Alte Seidenstoffe und antike Möbel verleihen der Halle einen verblichenen Charakter.
Meenas Zimmer liegt im oberen Stockwerk. Auf der Treppe begegnet sie kurz ihrer Mutter.

MUTTER

( bleibt stehen )
Na, wie ist dein letzter Schultag gelaufen?

Meena
( geht weiter )

Hallo Mama. Es ist alles gut. Ich bin froh, dass die Zeit
im Internat endlich vorüber ist. Ist Daddy da?“

MUTTER
(geht weiter und ruft)
Daddy kommt übermorgen zu deinem Geburtstag.
Bist du zum Abendessen hier?“

Meena geht auf ihr Zimmer, erfrischt sich und zieht sich um. Sie geht nach unten in das Arbeitszimmer ihres Vaters.





ARBEITSZIMMER - ABENDS

Die Kamera schwenkt herum und zeigt das Zimmer. Überall stehen Regale mit Büchern und Manuskripten. Vor dem großen Fenster steht ein Schreibtisch. Ein Bilderrahmen zeigt eine lachende Meena zusammen mit ihrem Vater. Schreibzeug und lose Blätter bilden ein Chaos. Eine Schreibmaschine steht an der Grenze zur Fensterseite. Eine kleine indische Landkarte ziert die rechte Wand. Meena setzt sich auf den Drehstuhl und bringt sich in Schwung.

Meena (aus dem off )

„Ich liebe dieses Zimmer. Hier spüre ich den Geist literarischer
Kultiviertheit. Ich fühle kreative Energie“.



Sie stoppt ihre Stuhlumdrehungen und schaut sich um.

Meena ( aus dem off )

„Mein Gott. Wie viele Stunden, Tage, Wochen und Monate habe ich hier mit dem Lesen von Daddy`s Büchern verbracht“.

Ihr Blick fällt auf das oberste Bord eines Regals. Dort liegt etwas, was sie vorher noch niemals bemerkt hat. Sie springt vom Stuhl auf. Aus einer Zimmerecke holt sie eine Leiter. Sie stellt sie gegen das Regal und klettert hinauf.

Meena ( aus dem off )

( überrascht )
„Was haben wir denn da?“

In ihrer Hand hält sie ein staubiges Päckchen. Wieder auf dem Boden entfernt sie den Staub. Sie beginnt das Papier zu entfernen. Ihr Gesicht verrät höchste Neugier.





Meena ( aus dem off )

„Ich kenne hier fast alle Bücher und Manuskripte. Komisch, dieses Päckchen ist mir nie aufgefallen. Was da wohl drin ist?“

Sie entfernt das Papier. Ein wunderschön gebundenes Manuskript kommt zum Vorschein. Das Deckblatt besteht aus roten Samt. In der Mitte steht mit kunstvoller Handschrift der Titel geschrieben.
`Die Maharani`.

Meena:

(Aus ihrem Mund entweicht ein pfeifender Ton.)

Sie schlägt die erste Seite auf und liest die einführenden Zeilen.
Die Kamera folgt ihrem Blick.

Meena: ( aus dem off )

„Die Maharani. Produzent Dipak Kumar, Regie Guru Dutt. Idee und Skript Amir Ray“.

Die Kamera fährt auf die letzte Zeile der Seite.

Meena: ( aus dem off )

„Für meine Tochter Meena“.

Meena wird von Neugier ergriffen. Zügig räumt sie den Schreibtisch frei und legt das Manuskript auf den Tisch.



Arbeitszimmer – Abends

Es ist dunkel geworden. Meena schaltet die Schreibtischlampe an. Das goldgelbe Licht verwandelt den Schreibtisch in eine Oase der Sinnlichkeit. Meena beginnt zu lesen. Die ersten Sätze führen Sie zurück in ihre eigene Kindheit als achtjähriges Mädchen, wo Sie im Arbeitszimmer des Vaters spielt.

Rückblende

Die Szene zeigt ihrem Vater am Schreibtisch, während sich die kleine
Meena auf dem Drehstuhl in Schwung bringt.

VATER

„ Bitte kleines, kannst du wohl einen Moment damit aufhören. Ich muss mich konzentrieren. Weißt du, ich habe eine wunderbare Idee für eine Geschichte“.

Meena Kind: ( steht oben auf dem Stuhl )

( neugierig )
„ Eine Geschichte?, oh toll. Darf ich sie später lesen ?“

Sie springt vom Stuhl herab und landet direkt vorm Schreibtisch.

Meena Kind:

( sie stellt sich auf die Zehenspitzen und schaut auf die Papiere des Vaters.)

„Daddy! Was für eine Geschichte wird das?“

VATER

„Ach weißt du, das ist keine Geschichte für kleine Mädchen, nur für große ok?“

Meena Kind:

( schnippisch )
„ Wieso denn? Ich bin auch schon groß, immerhin schon acht Jahre alt. Ich kann lesen, schreiben und sogar auch schon ein bisschen
kochen. Mammi hat es mir beigebracht.“

VATER

( lacht )
Mammi hat dir das Kochen beigebracht? Seit wann kann Mammi denn kochen ?“

Meena geht auf ihren Vater zu. Sie küsst ihn auf die Wange.

Meena Kind:

( sie legt ihren Arm um seinen Hals )
„ Oh Daddy!. Bitte erzähl mir doch einwenig von deiner Geschichte.“

Der Vater schaut sie verliebt an.

Vater:

( drückt Meena fest an sich heran )
„ Kleines, im Moment kann ich dir doch gar nichts vorlesen. Sieh her, ich habe doch überhaupt noch nichts geschrieben.

( Er zeigt mit dem Finger auf seine Stirn).
„Es ist eben noch alles hier oben drin. Weißt du, ich muss erst einmal meine Gedanken ordnen. Stell dir vor, du musst die berühmte Nadel im Heuhaufen finden. So ungefähr sieht es hier oben bei mir aus.“



Meena Kind:

( Zuckt enttäuscht mit den Schultern ).
„ Wirst du sie mir dann später einmal vorlesen?“

Vater:

( küsst Meena)
„ Eines Tages werde ich dir die Geschichte vorlesen, eines Tages, dass verspreche ich dir.“

Durch die Zimmertür wird Meena von ihrer Mutter gerufen.



Mutterstimme:

„ Meena! Kommst du, es ist Zeit fürs Abendessen!

Meena verlässt das Zimmer.



Ende der Rückblende

Arbeitszimmer abends



Die Kamera führt wieder zurück an den Schreibtisch. Meena macht eine kleine Lesepause. Ihr Blick fällt auf die Landkarte Indiens, die rechts neben dem Schreibtisch an der Wand hängt. Sie widmet sich wieder dem Buch und liest weiter.

MEENA (aus dem off)

„Sheas Blick verlor sich am Ende des Horizonts, wo sich das blaue seichte Wasser der arabischen See mit dem wolkenlosen Himmel vereinigte.



EINBLENDUNG INDISCHE KUSTE - TAG (BEGINN SOUND TRACK, Aufblende)
Eigentlicher Filmbeginn

Zuerst ist es nur ein silbriges Glitzern. Dann wird blaues Wasser sichtbar. Schließlich zeigt die Kamera von See her die Küste West-Indiens. Die Kamera bewegt sich auf die Küste zu.

INDISCHE KISTE - TAG

Die Kamera zeigt die Totale mit einem wunderschönen Blick übers Meer bis zur Küste. Die Kamera nähert sich dem Landstreifen. Schnell wird ein dunkler Punkt sichtbar, der sich bald als blauer Stein zu erkennen gibt. Der Ort ist von dichtem Heckenbewuchs umgeben und wirkt wie ein Schrein. Auf dem blauen Stein sitzt das Kind Shea (fünf Jahre) mit ihrem Vater. Er erzählt seiner Tochter Geschichten und die kleine Shea blickt verträumt auf das Meer hinaus. Im Hintergrund der Szene hört man Meena aus dem Buch lesen.

Meena ( liest aus dem off)
„Den blauen Stein, auf dem sie mit ihrem Vater saß, hatte sie einmal als Kind mit blauer Farbe überstrichen, inkl. der Ameisen, die in
diesem Moment den Pinselstrich kreuzten. In ihrer kindlichen Phantasie war der Stein zu einer Wolke geworden. Während der Vater seine Märchengeschichten erzählte, flog sie in das Land ihrer Phantasien und erlebte die tollsten Abendteuer. Einmal, als sie wieder an diesem Ort verweilten, erzählte ihr Vater eine Geschichte über sich selbst. Von einer großen, geheimen Liebe war die Rede, von der niemand etwas wusste. Sie glaubte, er würde von ihrer Mutter reden, die vor Jahren einfach so aus ihrem Leben verschwunden war. Aber sie war zu klein, um die Erklärung ihres Vaters zu verstehen.

Szenenwechsel
Sheas Haus – Tag

Sonnenstrahlen fallen in Shea`s Kinderzimmer. Licht und Schatten verleihen dem Raum einen morbiden Charakter.
Shea sitzt traurig auf dem Bett. Auf dem Bett liegt ein Koffer, indem
Sie ihre Spielsachen, Bücher und Puppen verstaut. In der rechten Hand hält Sie ein Bild ihres Vaters. Tränen laufen ihr über die Wangen.

Meena ( aus dem off )

Shea lebte mit ihrem Vater in Dharwad, einem kleinen Ort nahe Mahabaleshwar. Dann, eines Tages, völlig unvorbereitet, verstarb ihr Vater. Mit seinem Tod wurde auch Sheas heile Kinderwelt zerstört.
Sie war gerade sieben Jahre alt.
Als einzige Verwandte kümmerte sich eine Tante Namens Priya um sie, die sie vorher noch niemals gesehen hatte. Die Tante verkaufte das Haus und nahm Shea zu sich nach Mababaleshwar, wo sie zusammen in einem kleinen Appartement wohnten. Während Meena diese Geschichte erzählt; zeigt die Kamera Sheas Kinderzimmer im Haus ihres Vaters.

Kinderzimmer – Tag

Tante Priya

(liebevoll)
„ Shea, bist du soweit? Wir müssen jetzt gehen. Der Wagen wartet.“

Shea nimmt ihren Koffer und geht die Treppen hinunter. Tante Priya übergibt dem Käufer des Hauses die Schlüssel. Sie nimmt Shea an die Hand und beide verlassen das Haus. Vor dem Hans steht ein Wagen. Die Tante und Shea steigen ein, der Wagen fährt los.
VOR SHEAS HAUS - NACHMiTTAGS

Die Kamera zeigt die Rückfront des Wagens. Hinter der Rückscheibe
ist das traurige Gesicht von Shea zu sehen. Mit sehnsuchtvollen Blick schaut sie auf das Haus Ihrer Kindheit
Zurück. Der Wagen fährt die staubige Dorfstrasse hinunter und aus
der Szene heraus.

Szenenwechsel

ACHT JAHRE SPÄTER
MAHABALESHWAR - TAG

Shea ist inzwischen vierzehn Jahre alt und bildhübsch.
Die Kamera zeigt wie sie mit ihrer Tante einkaufen geht oder
den Tempel besucht. Trotz ihrer Jugend zieht sie bereits die Blicke junger Männer

Marktszene
Shea und Tante Priya gehen über den Markt. Eine Gruppe Jugendlicher bemerken Shea. Sie stellen sich in ihre Nähe und machen scherzhafte Bemerkungen.

Marktplatz – Tag

Erster Jugendlicher

„ Hallo, da ist ja unsere schöne Prinzessin. Na, wie wäre es mit uns?“

Ein anderer aus der Gruppe fühlt sich gefordert.

Zweiter Jugendlicher

Wir sehen dich immer mit deiner Tante. Komm doch mal allein zum einkaufen. Dann können wir dir tragen helfen und noch einiges mehr.“

Gelächter kommt auf.

Dritter Jugendlicher

(zeigt mit dem Finger auf seine Freunde )
„ Ja genau! Aber lass dir bloß nicht von diesen beiden hier helfen.“

( Er tritt einen Schritt zurück und stemmt seine Hände in die Hüften )



„Das übernehme ich dann ganz allein meine Schöne. Bei mir bist du

gut aufgehoben.“

Die zwei Freunde müssen lachen. Einer von ihnen tritt dem dritten in den Hintern. Der dreht sich verärgert um. Die drei
Freunde jagen sich gegenseitig johlend über den Markt.



Szenenwechsel
Katholisches Internat auf dem Land

Ein Bus hält auf einer staubigen Strasse. Die Tür wird geöffnet. Tante Priya und Shea steigen aus. Shea hält einen kleinen Koffer in ihrer Hand. Der Bus fährt weiter.

Kamera Schwenk

Priya und Shea stehen vor dem Tor eines katholischen Internats.
Priya klopft mit einem eisernen Ring gegen das Tor. Das Tor öffnet sich.

Zimmer der Oberschwester – Innen

Das Zimmer ist abgedunkelt. Die Ausstattung ist schlicht. Ein hölzernes Kreuz hängt an einer weißen Wand. Daneben ein Bild des Pontifex. In der Mitte des Raumes sitzt die Oberin hinter einem Schreibtisch. Priya übergibt ihr Papiere. Mit strengen Blick mustert die Oberschwester Shea. Die steht schüchtern mit ihrem Koffer hinter ihrer Tante. Die Oberin nimmt eine kleine Klingel die auf dem Schreibtisch steht. Sie läutet eine Novizin herbei. Priya verabschiedet sich von Shea.

Priya:

(erleichtert)
„Shea mein liebes. Ich muss mich jetzt von dir verabschieden. Glaube mir, der Aufenthalt in dieser Internatsschule ist das beste für dich. Sei fleißig beim Lernen. In den Ferien kommst du mich in Mahabaleshwar besuchen ja?“

Priya gibt Shea einen Abschiedskuss auf die Wange. Shea will etwas sagen, bricht aber ihren Satz ab. Sie verabschiedet sich von ihrer Tante.

Shea:

(traurig gibt Sie der Tante einen Kuss)
„ Aufwiedersehen Tante.“





WOHNHAUS - TAG

Die Novizin zeigt Shea ihr Zimmer, das sie sich mit einem anderen Mädchen teilen muss. Dann verabschiedet sie sich und läßt Shea allein zurück.

ZIMMER - TAG

Shea legt ihren Koffer auf das freie Bett, das an der rechten Seite des Raumes steht. Gegenüber befindet sich das Bett eines anderen Mädchens. Zwei schmale Schränke bieten Platz für Wäsche und Garderobe. Unter dem Fenster steht ein Tisch mit zwei Stühlen. über der Eingangstür hängt ein kleines Kreuz an der Wand. Shea öffnet das Fenster und setzt sich auf ihr Bett. über dem Nachbarbett hängen kindlich naiv gemalte Bilder. Das Zimmer wirkt äußerst sauber und aufgeräumt. Draußen dröhnt die Pausenglocke. Etwas später füllt sich der Schulhof mit lärmenden Mädchen. Während Shea neugierig aus ihrem Fenster schaut, hört sie, wie jemand hastig die Treppen hinaufläuft und sich ihrem Zimmer nähert. Die Tür wird aufgerissen. Ein dünnes, symphatisches Mädchen betritt das Zimmer.



MÄDCHEN

(erfreut)
„Oh, hallo, du bist wirklich gekommen? Ich freue ja mich so,
dass ich auch endlich eine Nachbarin habe. Es bringt keinen Spaß hier allein im Zimmer zu wohnen. Nachts ist es manchmal sehr gruselig.
Wirklich!“

Shea dreht sich zu dem Mädchen hin.

MÄDCHEN

( pfeifend )
Mein Gott! Du bist ja eine Schönheit. Da werden die anderen aber vor Neid platzen.“
Das Mädchen bemerkt, dass sie noch gar nicht vorgestellt hat. Shea ergeht es ebenso.MÄDCHEN / SHEA

( strecken sich die Hände entgegen )
Unisono
„Oh, Verzeihung, ich heiße...“ ( beide müssen lachen )MÄDCHEN

„Ich heiße Sofia“Shea:
( lacht hinreißend )
„und ich Shea.“

( Ton off )
Die beiden Mädchen unterhalten sich angeregt.



INTERNAT SPEISESAAL - ABENDS ( Ton off )
( Allgemeines Durcheinander )

Einblende

Die Totale zeigt an die hundert Mädchen, die auf Holzbänken beiderseitig an ihrem Tisch sitzen. An der Stirnseite des Saales sitzt die Oberin mit einigen Novizinnen. Sie beten. Als das Gebet beendet ist, bricht ein allgemeines Geschnatter los.

Ton wird langsam hochgefahren.

Die Kamera fährt durch den Saal und zeigt die Mädchen bei ihrer Unterhaltung. ÜberalI wird gelacht oder auch gestritten. Der Tisch, an dem Shea sitzt, kommt ins Bild. Andere Mädchen sitzen am Tisch. Sofia sitzt neben Shea. Stolz berichtet sie den anderen über ihre neue Freundin.

Voller Ton

Sofia:

„ ... und sie hat bei ihrer Tante in Mahabaleshwar gewohnt. Stellt euch vor, in dieser großen Stadt, wo es Märkte gibt, ein Museum und vieles andere mehr. Was für ein aufregendes Leben.“

Eine Nachbarin kichert laut.

Nachbarin

„ Ja und bestimmt gibt es dort auch sehr nette Jungs nicht war?“

Alle Mädchen lachen laut.

Shea`s Zimmer - Abends

Shea und Sofia liegen im Bett. Auf dem Tisch brennt ein Windlicht. Das Fenster steht offen. Ein Luftzug bringt das Licht in Bewegung. Die Kamera wechselt auf den nächtlichen Sternenhimmel.

SHEA

( schaut aus dem Fenster )
„ Was meinst du Sofia. Gibt es dort oben wirklich einen Gott?“

Sofia

„ Die Frage habe ich mir auch immer wieder gestellt. Meine Eltern brachten mich vor vier Jahren in diese Internatschule. Weißt du, in diesen Jahren hatte ich genug Zeit zum Nachdenken:“

Shea

( neugierig )
„ Und was ist dabei herausgekommen?!

Sofia:

( wendet ihren Blick nach draußen )
„ Ich denke wichtig ist nur woran man glaubt. Im Glauben verbirgt sich die Selbstverwirklichung und damit schließlich das Wissen.“

Shea

( lacht )
„ Du bist ja sehr philosophisch.“

Sofia

( lacht )
„Ja, nur so lässt es sich hier aushalten.“

Ein Luftzug bläst das Windlicht aus.



Internatsschule - Zeitraffer

( wird vom Soundtrack begleitet )

Eine Bildfolge zeigt Ausschnitte vom sozialen Zusammenleben in der Internatsschule. Im Mittelpunkt stehen Shea und die Mädchen aus ihrer Klasse. Sie sind zu sehen beim - Lernen und bei Prüfungen unter Aufsicht der strengen Oberin. Ebenso beim Sport und gemeinsamen Duschen ( äußerst albern mit Seifenschlacht )). Beim Lesen in der Bibliothek und Gespräche zwischen Shea und Sofia abends in ihrem Zimmer ( liegen im Bett )



Shea liegt auf dem Bett und liest eine Zeitung.

KAMERA GEHT AUF NAHEINSTELLUNG DER ZEITUNG
Text: Indian Standard Juli 1947
Ghandi spricht im National Kongress. Indiens Unabhängigkeit steht unmittelbar bevor. ( Ein Bild von Gandhi ist zu sehen )



SHEA

„Hast du schon von diesem Gandhi gehört? Hier steht, dass Indien bald seine Unabhängigkeit erhalten wird und das dann alle Engländer Indien verlassen müssen.“

SOFIA

„Alle?“

SHEA

„Ich weiß nicht, ich glaube ja. Hier steht jedenfalls, alle Engländer und englische Institutionen müssen das Land verlassen. Das betrifft dann auch unser Internat, oder?“



4 JAHRE SPÄTER
SCHULHOF DER INTERNATSSCHULE - TAG
(wird vom Soundtrack begleitet)

( Shea ist 18 Jahre alt )

Shea ist zu einer wunderschönen, jungen Frau herangewachsen.
Im Schulhof feiern Mädchen der höheren Abschlussklasse das Ende ihrer Schulzeit. Eine Band spielt westliche Schlager. Ein großes Büffet steht auf Tischen mit weißen Tüchern. Ballons und Papiergirlanden hängen auf Schnüren über dem Schulhof. Eltern und Verwandte der Abschlussklasse sind angereist. Der Prinzipal einer nahegelegenen Internatsschule für Jungs ist mit seinen Schülern anwesend. Auf einem Podest hält die Oberin eine Abschiedsrede. Alle Mädchen der unteren Klassen sind ebenfalls schick angezogen und partizipieren an der Feier.

Die Kamera zeigt Sofia in der Menschenmenge auf der Suche nach Shea. Sie entdeckt ihre Freundin in der Schuluniform am Büffet. (blauer Rock, weiße Bluse - Ihre schwarzen Haare hängen offen über die Schulter. Shea hält in ihrer Hand einen Teller mit Süßigkeiten.

Sofia
„Da bist du ja. Ich habe dich schon überall gesucht. Du hast dich ja noch gar nicht umgezogen.“

Shea
( mit vollem Mund )
„ Wir haben doch erst nächstes Jahr unsere Abschlussfeier. Warum soll ich mich für fremde Leute herausputzen.“

Sofia nimmt Shea bei der Hand. Sie zieht sie hinter sich her.

Shea

„Wohin gehen wir?“

Sofia

„ Komm schon, die anderen sitzen drüben an der Mauer und warten auf dich.“

( Sie sieht Shea an ) „ Du hast wirklich recht.“

Shea
„Was meinst du?“

Sofia

„ Du mußt dich wirklich nicht besonders hübsch anziehen. Selbst in Deiner Schuluniform bist Du eine unschlagbare Schönheit.“

Sofia /Shea
Beide lachen

Sie gehen über den Schulhof und erreichen den Tisch an der Mauer. Die Mädchen ihrer Klasse sitzen mit einigen Jungs zusammen. Es haben sich Pärchen gebildet.

Shea wird lautstark begrüßt.

Ein fetter, verschwitzter Single kommt auf sie zu.

Fetter Single

( reicht Shea die Hand )
„ Äh, ja, hallo, ich bin Mani.“

Shea ignoriert seine Hand. Sie setzt sich ihm gegenüber an den Tisch.

Fetter Single

( wischt sich den Schweiß von der Stirn )
„ Eine tolle Feier was?“



Shea schweigt und isst von ihren Süßigkeiten. Der fette Single hält ihr ein leeres Glas hin.

Fetter Single

„Möchtest du einen Mango Lassi oder einen Saft?“

Shea

( höflich )
Nein danke“

Der fette Single wagt einen letzten Versuch

Fetter Single

(verunsichert)
„Wenn ich mit der Schule fertig bin, will ich unbedingt an der Universität Wirtschaft studieren. Mein Vater ist ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann und von meinem Talent überzeugt. Aber ich interessiere mich auch für Sport. Magst du Sport? Ich liebe besonders Kricket und du ? Aber wenn ich ehrlich bin, dann würde ich viel lieber um die Weit reisen und fremde Länder kennenlernen. Warst du schon einmal im Ausland?“

Shea schweigt.

Der fette Single bemerkt, dass er bei Shea nicht landen kann und widmet sich deprimiert seinem Getränk.



TISCH AN DER MAUER TAG

In Nahaufnahme zeigt die Kamera einen Teller mit Reis und Curry, der auf den Tisch gestellt wird. Dann folgt die Totale.
Ein gutaussehender junger Mann setzt sich an den Tisch und wird von den anderen Jungs lautstark begrüßt. In dem allgemeinen Lärm kann Shea seinen Namen nicht verstehen. Er spricht sie an.

JUNGER MANN

( sehr höflich )
Hallo, Du bist Shea, hab ich recht?“

Shea schaut den jungen Mann überrascht an. Sie ist von seiner Erscheinung beeindruckt, lässt sich aber nichts anmerken.

SHEA

(schüchtern)
„Hallo!“

Shea mustert den jungen Mann der um die zwanzig sein muß. Sie findet ihn sehr symphatisch. Er ist groß gewachsen. Sein schwarzes Haar ist streng nach hinten gekämmt. Die Stirn ist markant. Er hat eine kühne gerade Nasenform und freundlich geschwungene Mundwinkel. Tiefschwarze Augen verleihen seiner hellen Gesichts- farbe einen charismatischen Ausdruck. Ihre Neugier ist geweckt.



SHEA

( neugierig )
„Und wer bist du?“

Junger Mann

( zeigt mit dem Kopf in Richtung seiner Freunde )
„Ich gehöre zu diesen Jungs. Wir sind alle aus einer Klasse.“

Shea

„ Ich habe dich hier bei den anderen Abschlussfeiern noch niemals gesehen“

Junger Mann

( mit vollem Mund )
„ Ja das stimmt.“

Shea ärgert sich über seine Einsilbrigkeit. Sie widmet sich ihren Süßigkeiten.

Junger Mann

( mustert sie frech von oben bis unten )

„ Süßigkeiten machen dick. Du hast wohl keine Probleme damit oder?“



Shea ignoriert seine Unverschämtheit. Sie will die Richtung der Unterhaltung bestimmen.SHEA

„Was machst Du so, wenn Du nicht auf Abschlussfeiern gehst?“



Junger Mann

„ Ich liebe Literatur und lese viel.“

SHEA

( überrascht )
„Oh wirklich?“

Junger Mann

( lächelt vergnügt )
„ Oh ja. Weißt du, mein Elternhaus ist zu weit entfernt. So bleibe ich in den Ferien meistens im Internat und vertreibe mir die Zeit mit Lesen.“

Shea

( erfreut )
„ Oh wie lustig. Mir geht es genau so. In den Ferien bleibe ich häufig hier und verbringe die Zeit in unserer Bibliothek.“

Schulhof – Nachmittags

Die Kamera zeigt die Totale

Es ist nur der Partylärm zu hören.
Shea und der junge Mann gehen durch die Menschenmenge und unterhalten sich. Um ihnen herum wird gelacht, getanzt oder diskutiert. Die Oberin unterhält sich mit einigen Novizinnen. Väter drücken stolz ihre Töchter. Mütter weinen vor Sentimentalität.



Kamera

Die Kamera folgt Shea und dem jungen Mann. Beide gehen auf die angrenzende Mauer des Internats zu. An der Mauer gehen sie durch eine kleine Tür und verlassen den Schulhof. Auf der anderen Seite der Mauer fließt ein kleiner Fluss. Der Partylärm weicht dem Geräusch von fließendem Wasser.

Am Fluss – Spät Nachmittags

Shea und der junge Mann setzen sich ins Grass am Flussufer. Die sanften Wellen des Flusses reflektieren die letzten Sonnenstrahlen.

Am Fluss – Spät Nachmittags
Die Kamera zeigt Shea und den jungen Mann von der Rückseite.

Shea

„ Wie heißt du eigentlich. Du hast mir noch immer nicht deinen Namen verraten.“

Junger Mann

( tut überrascht )
„ Oh wirklich, du hast mich ja auch nicht danach gefragt.“

Kamera

Die Kamera fährt langsam um die beiden herum zur Vorderansicht.

Shea

„Aber jetzt habe ich gefragt. Bitte sage es mir. Ich habe bei der Begrüßung durch deine Freunde nicht wirklich hingehört.“

Junger Mann

( spielt den Beleidigten )
„Aha, so so, du hast dich also überhaupt nicht für mich Interessiert, als ich an den Tisch gekommen bin.“

Shea durchschaut sein Spiel und geht nicht weiter darauf ein.

Shea

„Also, wie heißt du?“

Junger Mann

„ In der Schule nennen mich meine Freunde EASY. Ja, mein Name ist Easy.“

Shea

( lacht laut )
Du heißt Easy? Das ist doch eine berühmte Romanfigur, wo der Held der Geschichte die Frauen immer wieder verführt.“

Easy

( grinst vergnügt )
„ War das ein Kompliment? Soll das heißen ich sehe gut aus?

( er lacht )
„ Du kennst diesen Roman? Stehen solche Bücher etwa bei euch in der Internatsbibliothek?“



Shea

( muss auch lachen )
„ Nein nein! Nicht dort, sondern bei meiner Tante in Mahabaleshwar. Ihre Wohnung besteht fast nur aus Büchern. Dieser Roman ist nur einer unter vielen.“

Shea

( schaut Easy verlegen an )
„ Tut mir leid, wenn ich dich mit dieser Romanfigur verglichen habe.“

Easy

„ Macht nichts, ist schon ok.“



Plötzlich schreit Shea laut auf. Sie springt hoch.

Shea

„ Ah! Ah, oh nein !“

Easy

( erschrocken )
„Was ist denn mit dir? Was ist los?“

Shea

( streift mit der Hand über den Rock )
„ Ameisen, hier sind lauter Ameisen.“

Easy bemerkt ebenfalls die Ameisen. Er springt auf. Beide laufen die Böschung entlang. Nach kurzer Zeit setzen sie sich erschöpft in Grass.

Shea

( außer Atem )
„ Komisch, dass ich es immer mit Ameisen zu tun habe.“

Easy rückt näher an sie heran

Easy

( fasziniert von ihrer Schönheit )
„Wie meinst du das?“

Shea schweigt. Beide sehen sich ins Gesicht. Ihre Blicke treffen sich. Es liegt eine erotische Stimmung in der Luft. Easy rückt noch näher an Shea heran.

Kamera

Die Kamera zeigt beide Gesichter in Großaufnahme.
Shea rührt sich nicht vom Fleck. Easy setzt zum Kuß an und berührt fast ihre Lippen. Plötzlich ist die Schulglocke zu hören. Shea dreht sich in Richtung Internat. Sie springt auf.

Shea

„Die Schulglocke! Mein Gott, es muss schon sehr spät sein. Ich muss zurück. Komm schnell, ich muss mich beeilen.“

Mit schnellen Schritten zieht sie Easy hinter sich her.

Schulhof – Abends

Shea und Easy betreten den Schulhof. Das Fest ist bereits zu Ende, die Gäste sind gegangen. Alle Dekorationen sind beseitigt. In den
Unterkünften der Mädchen brennt nur noch vereinzelt Licht. Shea will sich schnell von Easy verabschieden.

Easy

( hält Sheas Hand fest )
„Es war sehr schön mit dir. Schade das du schon gehen musst.“

Blitzschnell gibt er Shea einen Kuss auf die Wange.

Shea

( gefasst)
„Ja es hat Spaß gemacht, sich mit dir zu unterhalten.“

Sie löst sich von seiner Hand und gibt ihm ebenfalls blitzschnell einen Kuß auf die Wange.

Shea
„Gute Nacht und mach es gut.“

Shea dreht sich um und geht ins Haus.
Easy geht zum Eingangstor. Dort trifft er seine Klassenfreunde die im Bus auf ihn warten.

Bus

( Freunde johlen )
„Haha, unser Frauenheld hat die schönste aller Mädchen erobert.
Na, hast du es ihr schön besorgt? Ha ha ha.“

Easy lacht und verteilt scherzhafte Boxhiebe.



Shea`s Zimmer - Tag

Shea und Sofia sitzen auf ihren Betten. Sofia packt ihren Koffer.

Sofia

„Fährst du in diesen Ferien nicht wieder zu deiner Tante nach Mahabaleswar?“

Shea

( Schüttelt den Kopf )
„ Ich weiß nicht, ich glaube nicht. Wahrscheinlich bleibe ich hier und fahre mal wieder nach Dharwad, wo ich als Kind aufgewachsen bin.“

Sofia

( steht auf und nimmt ihren Koffer und gibt Shea einen Wangenkuss)
„Pass auf dich auf. Wir sehen uns dann pünktlich zum letzten Schuljahr. Aufwiedersehen.“

Sofia verlässt das Zimmer. Shea geht ans Fenster. Sie sieht wie ihre Freunde und andere Mädchen das Gelände des Internats verlassen. Vor dem Eingangstor wartet der Überlandbus.



































































Drehbuch Endsequenz

EINBLENDE

Bibliothek Mahabaleshwar -Tag



Sonnenstrahlen fallen durch kleine Seitenfenster auf die Bücherregale. Das Spiel von Licht und Schatten verleiht dem Ort etwas geheimnisvolles. Die Regale wirken wie ein literarisches Labyrinth.
Rishani Dewane, die Bibliothekarin betrachtet voller Stolz ihre
Umgebung.
Sie trägt einen bunten Sari. Ihre langen Haare liegen wie ein schwarzer Wasserfall über die Schultern. Sie trägt einen silbernen Kopfschmuck. Zwei Diamanten zieren ihre Nasenflügel. Die Augenlieder sind schwarz geschminkt, der Mund Kirschrot. In der Mitte der Stirn klebt ein Bindi.

Rishani Dewane

Mit der rechten Hand hält sie eine Broschüre.
Die Kamera schwenkt auf die Broschüre und zeigt den Schriftzug.

Schriftzug

Autorenlesung mit Shea Maharani, Freitag 19Uhr, Woman Literatur Club großer Saal.

Reshani D. ( aus dem off )

( Aufgeregt blickt sie auf die Broschüre )
„ Endlich ist es soweit. Meine Bemühungen und Nachforschungen haben sich bezahlt gemacht. Indiens berühmteste Schriftstellerin ist bei uns zu Gast. Ich nur ich habe das möglich gemacht. Man wird mir für immer dankbar dafür sein.“

Eine Tür am Ende der Bibliothek wird geöffnet. Eine sehr dicke Assistentin betritt den Raum. Ihr Haar ist fettig und sie wirkt sehr ungepflegt.In der Hand hält sie etwas essbares. Ihr Mund ist voll.

Assistentin

( mit vollem Mund )
„ Oh Miss Dewane, hier sind sie. Sie werden schon überall gesucht.“

( kauend blickt sie auf Reshani D. )
„ Oh, sie sehen heute ja wirklich umwerfend aus. Fast wie eine Königin.“

Eine zweite Mitarbeiterin betritt den Raum

Zweite Mitarb.

( flüstert und kichert )
„ Königin ist gut. Für mich sieht sie eher aus wie der druckfrische Farbband einer folkloristischen Modezeitschrift.“

Rishani D. verlässt den Raum.

Assistentin

( Leckt sich die Finger ab)
„ Weist du eigentlich etwas über diese Schriftstellerin?“

Zweite Mitarb.

„ Nur soviel, dass sie eine Schönheit ist und sogar einmal ein großer Filmstar war. Ganz Indien soll ihr zu Füssen gelegen haben, Aber ihr erster Film soll auch ihr letzter gewesen sein. Angeblich verschwand sie noch vor ihrer eigenen Premiere aus dem Filmtheater. Seitdem wurde sie nie wieder gesehen.“

Assistentin

( erstaunt über das Wissen ihrer Kollegin )
„ Woher weißt du das alles?“

Zweite Mitarb.

( triumphierend )
„ Tja meine Liebe.“

( Sie macht eine ausladende Geste auf ihre Umgebung )
„ Du bist ja ewig nur am Essen. Vielleicht solltest du hier
auch mal gelegentlich ein Buch lesen. Was meinst du?“

Assistentin
( Aus ihrem Mund entweicht ein Rülpser.)









Foryee im Woman Literatur Club – Tag

Im Foryee drängeln sich Junge und alte Menschen. Die Frauen tragen wunderschöne Saris, die Männer Kurtas.

Großer Saal des Woman Literatur Club

Die Besucher drängen in den Saal und setzen sich auf die Stühle.

Großer Saal des Woman Literatur Club
Auf der Bühne steht ein einfacher Tisch mit Leselampe,
einer Wasserkaraffe, ein Glas sowie ein Mikrophone.

Ton
Es ist die Unruhe im Saal zu hören.
.

Kamera
Die Kamera zeigt wie sich die Besucher umdrehen und auf die Eingangstür starren. Eine Gruppe von Gästen betritt den Saal. In deren Mitte erweckt ein Riese mit rotem Turban großes aufsehen.
Die anderen sind Amir, Guru Dutt, Shamila mit Freundin sowie
Rabindra Ray.

Rishani Dewane

( betritt die Bühne )

Rishani Dewane

( sie zeigt auf die Tür an der Bühnenwand )
„ Namaste meine Damen und Herren.“

Die Tür öffnet sich und Shea betritt die Bühne. Sie trägt ihr rotes, englisches Kleid.
Tosender Beifall kommt auf.

Rishani Dewane
„ Ich freue mich, dass ich Ihnen heute Abend.....“

Ihre Worte gehen im Beifall unter.

Ton
Der Soundtrack wird eingefahren und überlagert die Szenerie.





Shea legt ihr Manuskript auf den Tisch. Sie sieht sich im Saal um.

Kamera
Die Kamera sieht mit Sheas Augen

Die Kamera zeigt die Besucher im Saal.
Die Kamera schwenkt auf die erste Reihe vor der Bühne.

Schnitt
Die Kamera zeigt Sheas Gesicht. Sie freut sich und lächelt.

Schnitt
Die Kamera zeigt wieder die erste Reihe. Dort sitzt Amir, jung geblieben und attraktiv. Neben ihm sitzt Guru Dutt. Er hat weißes Haar und wirkt alt. Neben ihm sitzt Harpal Singh mit roten Turban und breitem Grinsen. Zu seiner rechten sitzt Shamila mit einer gutaussehenden Freundin. Daneben sitzt ein altgewordener Rabindra Ray mit weißem Haar. Er wirkt körperlich gebrechlich und müde.

Kamera
( geht zurück auf Shea )

Ton ( wird ausgeblendet )
Es herrscht erwartungsvolle Stille im Saal.

Shea schlägt die Seiten ihres Manuskripts auf.

Shea

( lächelnd und glücklich. Sie schaut auf die erste Reihe )
„ Ich freue mich so sehr euch alle wiederzusehen. Ihr seid mein
Schicksal. Euch habe ich es zu verdanken, das ich heute ein zufriedener und glücklicher Mensch bin.“

Sie geht näher an Mikrophone.

( wendet sich an die Besucher im Saal )
„ Namaste. Es ist mir eine große Ehre, dass ich Ihnen hier, in diesem Saal des ehemaligen Woman Literatur Club vorlesen darf.

Sie macht eine kleine Pause.
„ Hier nahm meine Karriere ihren Anfang. Ich habe Ihnen eine Geschichte mitgebracht, die vor langer Zeit in einem Zugabteil auf der Fahrt nach Bombay geboren wurde.“

Sie zieht das Mikrophone noch näher zu sich hin. Es herrscht völlige Stille im Saal.

Shea

( Eine Träne läuft über ihre Wange. Ihre Stimme ist leise )
„ Diese Geschichte heißt Kari Kari.

Tosender Beifall kommt auf.

Kamera und Ton

Die Kamera zeigt Shea und entfernt sich von der Bühne über die jubelnden Besucher hinweg.

Der Soundtrack wird hochgefahren





Zurück aus der Vergangenheit
Einblendung
Arbeitszimmer von Amir Kumar Ray – Morgens

Die Kamera zeigt Meena Ray zurückgekehrt in die Gegenwart.
Sie sitzt am Schreibtisch ihres Vaters. Die ersten Sonnenstrahlen hüllen den Raum in goldgelbes Licht.
Meena schließt das in roten Samt gebundenes Buch.
Durch die angelehnte Tür ruft die Stimme ihrer Mutter.

Mutter

( ruft )
Meena, wo bist du?“

Die Mutter betritt das Zimmer

Mutter

( Kopfschüttelnd )
„ Hier bist du. Hätte ich mir doch denken können. Du hast doch nicht etwa wieder die ganze Nacht mit Lesen verbracht oder? Was soll aus dir nur einmal werden. Ich wünschte du hättest genauso viel von mir geerbt wie von deinem Vater. Dieses ewige Lesen bringt doch nichts. Du solltest dir einmal Gedanken über deine Zukunft machen. In zwei Tagen wirst du
achtzehn Jahre alt.“







Meena

( erhebt sich abwesend vom Stuhl )
Ja Mum.“

Meena legt das Buch auf den Schreibtisch.



Mutter

(Dreht ab und verlässt das Zimmer )
„ Kommst du, das Frühstück ist vorbereitet.“

Meena

( abwesend )
„ Ich komme gleich.“

Meena betrachtet das Foto ihres Vaters, das auf dem Schreibtisch steht. Dann Blickt sie auf die indische Landkarte an der Wand.

Kamera
Die Kamera zeigt Meenas Gesicht. Es wirkt nachdenklich und entschlossen.

Meena nimmt die Landkarte von der Wand und steckt sie ein.
Mit schnellen Schritten verlässt sie den Raum

Meenas Zimmer ( aus dem off )

( sie packt ihre Reisetasche )
„ Ich muss herausfinden, ob diese Geschichte wahr ist. Wenn das so sein sollte, dann werde ich diese Shea finden.“



Sie zögert einen Augenblick beim Packen der Reisetasche

Meena ( aus dem off )

„ Und wenn nicht? Wenn diese Story nur eine Fiktion ist? Was ist wenn es sich nur um eine Erfindung von Daddy handelt, wie fast alle seine Geschichten? Meine Freunde würden mich für verrückt halten, wenn ich mich auf die Suche mache.“

Irgendwo im Haus ruft die Mutter.

Mutter

( ungeduldig )
Meena! Kommst du nun endlich zum Frühstück? Es wird alles kalt.“

Meena

( Läuft in Eile die Treppen hinunter )
( rufend )
„ Mama tut mir leid, aber ich habe keinen Hunger.“

Meena geht durch die Haustür nach draußen.

Meena

( dreht sich rufend um )
„ Mum! Warte nicht mit dem Mittagessen auf mich. Es wird bestimmt spät bis ich zurückkomme. Vielleicht schlafe ich auch bei meiner Freundin. Wir wollen meine Geburtstagsfeier vorbereiten. Ich rufe dich an ja?“

Mutter

( ruft hinterher )
„ Aber Meena! Dein Vater kommt heute zurück.“



Bombay Railway Station

Meena kauft sich ein Ticket für den Schnellexpress nach
Mahabaleshwar.
Etwas später sitzt sie im Zug.



Meenas Haus - Tag

Ein Wagen fährt vor. Amir Ray steigt aus.

Amirs Haus – Innen
Amir begegnet seiner Frau

Amirs Frau

„ Meena ist heute früh am Morgen mit ihrer Reisetasche zu einer Freundin gegangen.“

Amir betritt sein Zimmer.

Amir`s Zimmer

Er sieht das Buch auf seinem Schreibtisch liegen. Sein Blick fällt auf die Wand wo die Landkarte hing. Sie ist weg.



Amir lächelt. Er greift zum Telefon.